Verbot des Regenbogens: UEFA bricht eigene Regeln

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Martina Michels, Sprecherin von DIE LINKE. im Europaparlament und sportpolitische Sprecherin, kommentiert das Verbot der UEFA, die Münchner Allianz-Arena beim morgigen Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regeborgen-Farben erstrahlen zu lassen, um ein Zeichen gegen homo- und transfeindliche Gesetzgebung in Ungarn zu setzen:

„Die UEFA verstößt gegen ihre eigene Rechtspflegeordnung, weil sie den Antrag der Stadt München, die Allianz-Arena morgen in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen, untersagt. Sie stützt ihr Verbot darauf, dass unangemessene, provokative Botschaften in einer Sportveranstaltung nicht verbreitet werden dürfen. Doch das Trennungsgebot von Sport und Politik kann hier nicht gelten. Denn das gewünschte Symbol der Stadt München fordert nicht weniger als Menschenrechte und europäische Grundwerte ein, wie sie in der Grundrechte-Charta und anderen Europäischen Vereinbarungen garantiert werden. Diese Werte sind für alle Mitgliedsländer verbindlich und ihre Garantie steht nicht zur Diskussion.“

„Die UEFA sollte dringend nochmal ihre eigene Rechtspflegeordnung studieren. Dort legt sie selbst fest, dass jegliche Form von Diskriminierung, unter anderem wegen der sexuellen Orientierung, verboten ist und eine angemessene Strafe nach sich zieht. Will die UEFA nicht außerhalb ihrer eigenen Rechtsordnung stehen, müsste sie sich nach der Ablehnung des Münchner Antrags selbst bestrafen.“

„Die UEFA äußert sich mit ihrem Kniefall vor Orban selbst politisch und unterstützt Angriffe auf Europäische Grundwerte. Gerade heute ging eine Anhörung zum Sport im Europäischen Kulturausschuss zu Ende. Darin wurde eine Aufsichtsbehörde für derart große Sportverbände wie die UEFA ins Spiel gebracht. Das halte ich nicht nur bei der Einhaltung von Grundwerten für angemessen, sondern trifft auch die ewige Sonderrolle bei den Sportrechten, die schon lange nicht mehr im öffentlichen Interesse verhandelt werden.“

Anschließend hält Martina Michels fest:

„Der Druck auf die UEFA wächst, auch weil sie Länder zur Aussetzung von Corona-Maßnahmen zwingen will oder falsche Entscheidungen trifft, wie die Fortsetzung des Spiels Belgien gegen Dänemark, obwohl alle Spieler nach dem tragischen Zusammenbruch von Christian Erikson unter Schock standen. Das alles muss ein sportethisches und politisches Nachspiel haben.“

Hintergrund:

Die UEFA beruft sich mit dem Verbot auf den Art. 16.2.e ihrer Rechtspflegeordnung, indem in einer absurden Zusammenstellung die „Verbreitung provokativer, einer Sportveranstaltung unangemessener Botschaften, insbesondere solcher politischen, ideologischen, religiösen oder beleidigenden Inhalts, durch Geste Bild, Wort oder andere Mittel“ untersagt ist. 

Allerdings ignoriert sie dabei den Artikel 14.1: „Wer gemäß Artikel 3 der Disziplinargewalt der UEFA untersteht und eine Person oder eine Gruppe von Personen in jeglicher Form u. a. wegen ihrer Hautfarbe, Rasse, Religion, ethnischen Abstammung, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung in einer gegen die Menschenwürde verstoßenden Weise herabsetzt oder diskriminiert, wird für mindestens zehn Spiele oder auf bestimmte Zeit gesperrt oder anderweitig in angemessener Weise bestraft…“

Link zur Rechtspflegeordnung der UEFA: https://documents.uefa.com/v/u/kmAnEshiaFkCrh_UA_72Tw

Ursprünglich erschienen auf DIE LINKE. im Europaparlament – Martina Michels